Nachdem der Energieversorger RWE im Juni eine Preiserhöhung zum 1. August angekündigt hatte, ging ein Aufschrei durch die Republik. Die Grünen ließen ein Gutachten anfertigen, das zu dem Ergebnis kam, dass eine Preiserhöhung keinesfalls gerechtfertigt ist – war der Einkaufspreis an der Leipziger Strombörse in den vergangenen zwei Jahren doch um bis zu 40% gesunken.
Zwar steht es jedem frei seinen Stromanbieter zu wechseln, pro Jahr machen das aber nur 5% der Verbraucher. Und die großen (teuren) Konzerne deuten die ausbleibenden Kündigungen als Zeichen ihrer eigenen Wettbewerbsfähigkeit.
Eine Blitzumfrage im Kollegenkreis und auf unserer Facebook-Seite zeigte, dass auch hier viele noch nicht gewechselt haben. Dafür wurden die verschiedensten Gründe angeführt. Als Hilfestellung will ich die häufigsten Fragen beantworten, die im Zusammenhang mit einem Wechsel des Stromanbieters auftraten.
Wie finde ich einen günstigen Stromanbieter?
Da die Preise regional unterschiedlich sind, ist der Markt sehr unübersichtlich. Der Stromtarifrechner auf Schottenland.de listet nach Eingabe des jährlichen Verbrauchs und der Postleitzahl des Wohnorts die günstigsten Anbieter auf.
Wieviel kann ich sparen? Für ein paar Euro tue ich mir den Stress nicht an.
Das Sparpotential hängt vom Verbrauch und dem Wohnort ab, deswegen kann der Stromrechner die genaue Differenz bestimmen. Aber einfach mal zwei Beispiele:
- Ein-Personen-Haushalt in Marburg (jährlicher Verbrauch: 1600 kWh)
Standardtarif Stadtwerke Marburg: 421,74 €
günstigster Wahltarif Stadtwerke Marburg: 388,77 €
günstigster Tarif laut Schottenland-Stromrechner: 235,21 € (inkl. Bonus)
Über 150 Euro gespart! - Vier-Personen-Haushalt in Kiel (jährlicher Verbrauch: 4500 kWh)
Standardtarif Stadtwerke Kiel: 1038,60 €
günstigster Wahltarif Stadtwerke Kiel: 960,36 €
günstigster Tarif laut Schottenland-Stromrechner: 654,15 € (inkl. Bonus)
Über 300 Euro gespart!
Ein Wechsel kann also etliche Euro in die eigene Kasse spülen. Und wer trotzdem nicht den Versorger wechseln möchte, sollte bei seinem Anbieter nach günstigeren Wahltarifen fragen. Bei diesen muss man häufig eine Vertragslaufzeit von 6 oder 12 Monaten eingehen oder im Voraus zahlen, kann aber gegenüber den Standardtarifen viel Geld sparen.
Was bedeutet denn Bonus?
Viele Anbieter honorieren den Wechsel mit einem Bonus. Dieser wird üblicherweise nach 12 Monaten mit der ersten Jahresabrechnung fällig und verrechnet. Wechselt man nach einem Jahr erneut zu einem Anbieter, der einen Bonus zahlt, kann man zusätzlich sparen.
Ich habe Angst, dass ich irgendwann ohne Strom da stehe.
Das kann nicht passieren, da die lokalen Anbieter zur Versorgung verpflichtet sind und im Falle des Ausfalls eines Anbieters sofort einspringen. Allerdings werden dann wieder die höheren Tarife fällig. Es lohnt sich also, gleich zum nächsten Anbieter zu wechseln.
Wie funktioniert der Wechsel?
Bei den meisten Anbietern kann man den Antrag direkt online ausfüllen, die Angebote sind im Stromrechner verlinkt. Es ist empfehlenswert eine alte Stromrechnung bei der Hand zu haben, da einige Angaben daraus (z.B. Stromzählernummer) erforderlich sind. Üblicherweise muss man beim alten Anbieter nicht selbst kündigen. Dies übernimmt der neue Versorger und sorgt für den lückenlosen Wechsel.
Was sind Tarife mit Vorkasse?
Die günstigsten Tarife erfordern häufig Vorkasse. Das bedeutet, dass man nicht wie üblich monatliche Abschlagszahlungen leistet, die mit der Jahresabrechnung verrechnet werden, sondern es wird gleich der gesamte Betrag des voraussichtlichen Verbrauchs im Voraus fällig. Die Vorkassezahlung birgt die Gefahr, dass man sein Geld im Falle des Konkurses des Anbieters verliert. Deswegen ist diese Zahlweise nur bei größeren Anbietern empfehlenswert.
Wer nicht per Vorkasse zahlen möchte oder kann, sollte im Stromrechner die entsprechende Option entfernen.
Fazit
Ein Wechsel des Stromanbieters ist einfach, schnell gemacht und kann hohe Einsparungen ergeben. Wer noch etwas für die Umwelt tun möchte, sucht sich einen Ökostrom-Tarif – diese sind bei den alternativen Anbietern häufig günstiger als die billigsten Tarife der lokalen Versorger.
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Hallo,
vielen Dank für diesen Artikel, were mich gleich mal nach einem neuen möglichen Anbieter auf die Suche begeben.
mfG m.
Es freut mich, dass Ihnen der Artikel geholfen hat.
Da inzwischen auch viele Gasanbieter Preiserhöhungen zum Oktober angekündigt haben, möchte ich auch gern noch darauf hinweisen, dass die Tipps auch für den Wechsel des Gasanbieters gelten!
Hab mittlerweile während der letzten Jahre ca. 6-7 mal den Anbieter gewechselt aber günstiger wird Strom dadurch keinesfalls. Das passiert frühestens wenn das Anbieter – und Netzbetreiber – Monopol nachhaltig unterbunden wird. Zudem ist Infrastruktur eine Hoheitliche Aufgabe welche auch durch den Staat wahrgenommen werden sollte, wozu bräuchten wir sonst noch einen Staat wenn er die Versorgung der Bevölkerung Raffkes überlässt, die das als Aufforderung zum Gelddrucken ansehen und die Strombörse mit Scheingeschäften austricksen.
Ich würde ja gerne wechseln, habe aber mittlerweile aufgegeben. In Augsburg/Göggingen ist der günstigste Anbieter die LEW. Als nächstes wollen die anderen Anbieter entweder eine Kaution oder ich muss den Abschlag für ein Jahr im voraus Bezahlen, was ich als Hartz 4 Empfänger nicht kann. Obwohl es gerade bei mir auf jeden Cent ankommt, kann ich einfach nicht wechseln, egal wie ich es drehe und wende. Sobald es einen günstigeren Anbieter mit 1 oder 2 Monatiger Abschlagszahlung gibt der keine Kaution verlangt bin ich im nächsten Monat beim neuen Anbieter.
Unser toller Staat mischt sich in jeden sch…. ein der ihn nichts Angeht, schafft es aber nicht die Energieversorger dazu zu bringen gesunkene Einkaufspreise an die Kunden weitergeben zu müssen.
Danke Deutschland
[...] Stromtarifrechner gemacht. Wie der Wechsel an sich funktioniert, steht in dem älteren Beitrag „Gegen den Strom“. window.fbAsyncInit = function() { FB.init({appId: "132976323392500", status: true, cookie: [...]